Katharina Jacke

Widersprüche des Medizinischen

Eine wissenssoziologische Studie zu Konzepten der »Transsexualität«

Cover Widersprüche des Medizinischen

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Buchreihe: Beiträge zur Sexualforschung (ISSN: 0067-5210)

Verlag: Psychosozial-Verlag

391 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im August 2016

ISBN-13: 978-3-8379-2628-6, Bestell-Nr.: 2628

Wie erkennt die Medizin ihre Gegenstände, wie passt sie ihnen ihre Prozeduren an und welchen Einfluss haben wiederum die Gegenstände auf die Medizin? Am Beispiel des klinischen Konzeptes der »Transsexualität« zeigt die Autorin, wie Depathologisierung neue Formen von Krankheit hervorbringt und wie Liberalität zugleich regressiv wirken kann. Sie stellt das zeitgenössische Wissen der Medizin als genauso kontingent heraus wie die wissensproduzierenden Disziplinen selbst.

Katharina Jacke untersucht das Krankheitskonzept Trans* und deckt dabei mannigfaltige Widersprüche des Denkens in der Medizin auf. Somit leistet die Studie an der Schnittstelle zwischen Wissenschaftsforschung und Gender Studies einen grundlegenden empirischen Beitrag zu den Bedingungen des Denkens und der Wissensproduktion.

Inhaltsverzeichnis

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Danksagung

0. Einleitung
0.1 Die Medizin als politische Wissenschaft 15 Fragestellung – Aporien der Medizin
0.2 Die Medizin zwischen Metaphysik und Phänomenologie – Ludwik Fleck über Denkstil und Denkkollektiv
0.3 Science Wars und die Frage nach der Erkenntnis von Wirklichkeit – Wahrheit als Analysekategorie
0.4 Das Nature-Nurture-Problem – Zuspitzung der Fragestellung
0.5 ›Transsexualitätsforschung‹
0.6 Operationalisierung

1. ›Transsexualität‹ als problematische Kategorie des Wissens: Genealogie und Horizont
1.1 Das historische Projekt ›Transsexualität‹ seit 1950: Begriffe und Diskurse
1.1.1 ›Transsexualität‹ als biologischer Befund
1.1.2 Reorganisation der ›Transsexualität‹ als psychiatrisches Konzept
1.1.3 Geschlecht als materielle Illusion oder der Geschlechtskörper als Hilfskonstrukt
1.1.4 Subjektivität, wahres Geschlecht und bestes Geschlecht
1.1.5 Konfliktlinien und die Gender-Entwicklungstheorie in der zeitgenössischen Sexualforschung
1.1.6 Depathologisierung als Strategie sexualwissenschaftlicher Selbstbehauptung
1.2 Geschlecht als medizinische Strukturkategorie
1.2.1 Geschlechtsdifferenzierung in der zeitgenössischen Medizin
1.2.2 Das entwicklungsbiologische Stufenmodell
1.2.3 Chromosomen, Gene und Gonaden
1.2.4 Aktive Gen-Netzwerke als Antagonist_innen des Modells
basic femaleness
1.2.5 Gene in Transformation: Von der männlichen Geschlechtsumkehr zum weiblichen Mastergen
1.2.6 Das morphologische Geschlecht
1.2.7 Brainsex: Das Gehirn als bipolares System
1.2.8 Widerstreitende Wirklichkeiten des dualistischen Gehirns
1.3 Neue Wissenskategorien in epistemischen Systemen: Zwischenbilanz

2. Diversifikation der Kataloge als Strategie der Stabilisierung
2.1 Standardisierung, Objektivierung und (Qualitäts-)Kontrolle
2.1.1 Norm und Abweichung, Krankheit und Gesundheit
2.1.2 Die Koppelung von Krankheit und Norm als regressives Prinzip
2.1.3 Die medizinische Norm als statistischer Wert
2.1.4 Krankheit als relatives Konstrukt in der Medizin
2.2 Die Diagnose-Klassifikationen des ›Geschlechtswechsels‹
2.2.1 Der pathologische ›Geschlechtswechsel‹ in ICD und DSM
2.2.2 Die ICD-10 und der Weg Richtung ICD-11
2.2.3 Vom DSM-IV-TR zum DSM-5
2.2.4 Gender Dysphoria und Gender Incongruence – Das Konzept der depathologisierten Krankheitswerte
2.3 Die Standardisierung des ›Transsexuellentypus‹ (Standards of Care)
2.3.1 Die Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen
2.3.2 Zur inneren Struktur der Standards
2.3.3 Kriterien der Geschlechtsmodifikation – Eine Koppelung von Operation und Diagnose
2.3.4 Das Geschlecht ohne Körper
2.3.5 Standards of Care for the Health of Transsexual, Transgender, and Gender-Nonconforming People, Version 7
2.3.6 Ausdifferenzierung von gender dysphoria made in USA
2.4 Erkenntnisverfahren Standardisierung – Ein regressiver Diversifikationsmotor: Zwischenbilanz

3. Zeitgenössische Behandlungspraktiken als eigentliche normative Kraft der Theoriebildung
3.1 Der Körper als operative These: Über Bedeutungen von Operationen und operativ hergestellten Geschlechtsmerkmalen
3.1.1 Genitaloperationen
3.1.2 Brustoperationen
3.1.3 Hormonbehandlung
3.1.4 Körpermodifikationen: Zwischenbilanz
3.2 Psychologische und logopädische Interventionen als paradoxe Antithese: Von nicht-physischen und pseudo-physischen Geschlechtsmerkmalen
3.2.1 Psychotherapie des ›Geschlechtswechsels‹
3.2.2 Die Stimme – Geschlecht als somatisierter Habitus
3.2.3 Von nicht-physischen und pseudo-physischen Geschlechtszeichen – Aporien als Grundlage medizinischer Entscheidungsfindung: Zwischenbilanz
3.3 Neurobiologische Korrelate als Versuch der Synthese: Das ›transsexuelle Gehirn‹
3.3.1 Neurowissenschaftliche Ätiologiediskussionen
3.3.2 Dimensionen neurowissenschaftlicher Forschung
3.3.3 Der Biologismus als Anti-Diskriminierungsstrategie

4. Schlussfolgerungen: Die Aporie im Spiegel vielfältiger Binarismen
4.1 Die Macht der Binärkategorien
4.1.1 Krankheit und Gesundheit
4.1.2 Subjektivität und Objektivität
4.1.3 Psyche und Physis
4.1.4 Sex und Gender
4.1.5 Natur und Kultur
4.1.6 Binarismen als Hilfskategorien wissenschaftlicher Ordnung
4.2 Deregulierung und (Re-)Regulierung als Sicherung des medizinischen Interventionismus

5. Schluss

Epilog

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

Literatur