Viktoria Bergschmidt

Konstruktionen »verworfener« Subjekte (PDF-E-Book)

Eine ethnografisch-diskursanalytische Untersuchung am Beispiel von Drogenabhängigen ohne deutschen Pass

Cover Konstruktionen »verworfener« Subjekte (PDF-E-Book)

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Buchreihe: Forschung Psychosozial

Verlag: Psychosozial-Verlag

621 Seiten, PDF-E-Book

Erschienen im August 2014

ISBN-13: 978-3-8379-6621-3, Bestell-Nr.: 6621

Mit einem Geleitwort von Klaus-Jürgen Bruder

Drogenabhängige ohne deutschen Pass sind auch dann, wenn sie in Deutschland aufgewachsen sind, von aufenthaltsrechtlichen Problemen betroffen und gehören deshalb zu den verletzlichsten Bevölkerungsgruppen. Gleichwohl bleiben sie aus dem psychosozialen Fachdiskurs weitgehend ausgeblendet.

Hier setzt die vorliegende Untersuchung an, die ethnografische und diskursanalytische Zugänge kombiniert. Grundlage der Studie ist die teilnehmende Beobachtung der psychosozialen Praxis einer Langzeittherapieeinrichtung für drogenabhängige »Migranten«. Die komplexen rechtlichen und gesellschaftlichen Ausschlüsse, die Räume der »Verworfenheit« bilden, werden ebenso analysiert wie die Selbstkonstruktionen der Betroffenen, die sich in diesen diskursiven Räumen bewegen (müssen).

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Dank
Geleitwort
Einleitung: »Die sind schon fast alle tot oder abgeschoben«

1. »Drogenabhängigkeit« bei »Migrant_innen«: Problematisierungsweisen
1.1 Die deutschsprachige Fachdiskussion: Von der Nichtthematisierung zur Interkulturalität
1.2 Empirische Untersuchungen – internationaler Forschungsstand
1.3 Essenzialisierung und Kulturalisierung: Kritik am Interkulturalitätsansatz
1.4 Diskurse und lokale Praktiken: Alternative Zugänge

2. Diskurs – (Bio-)Macht – Subjekt: Theoretische und
methodische Zugänge

2.1 Theoretische Zugänge: Die diskursanalytische Forschungsperspektive
2.1.1 Diskurs, Macht, Subjekt(ivierung)
2.1.2 Reflektierte Subjektivität: Forschen als »weiße Deutsche«
2.1.3 Foucaults Analytik der (Bio-)Macht und das Recht
2.2 Methodenkombination: Ethnografie und Diskursanalyse
2.2.1 Die Institution Hayat: Teilnehmende Beobachtung und Interviews
2.2.1.1 Teilnehmende Beobachtung
2.2.1.2 Experteninterviews
2.2.1.3 Selbstkonstruktionen: Narrativ-biografische Interviews
2.2.2 Gesetzliche Regulierungen: Diskursanalysen
2.2.2.1 Logik der Regulation: Gesetzestexte und ihre Kommentare gegen den Strich lesen
2.2.2.2 Genealogie: Bio-Macht als Raster historischer Entzifferung
2.2.3 Zur Verknüpfung von Ethnografie und Diskursanalyse: Analytische Ebenen zur Untersuchung
»diskursiver Praktiken« 119

Teil I
»Wir sind hier nur geduldet«: Suchttherapie für »Migranten«

3. Hayat – Eine »interkulturell-sozialtherapeutische Wohngemeinschaft«
3.1 Zur Konstituierung des Forschungsfeldes
3.2 Gründungsgeschichte: »Ein gerechtes Angebot für drogenabhängige Immigranten«
3.2.1 Anfänge: Ein Selbsthilfeprojekt für drogenabhängige Immigranten aus der Türkei
3.2.2 Professionalisierung: Von der Therapeutischen Gemeinschaft zur Sozialtherapieeinrichtung
3.3 Alltagsreglementierungen: Von der Aufnahme bis zur Entlassung
3.3.1 Die Aufnahme
3.3.2 Die Probezeit
3.3.3 Der Tag und die Woche
3.3.4 Die Stufen
3.3.5 Die Regeln
3.3.6 Die Sitzungen
3.3.7 Die Entlassung
3.4 Nur geduldet: Die Institution und ihre Adressaten
3.4.1 Die Adressaten: Statistische Daten – und ihre Hintergründe
3.4.2 Die Institution: Nur geduldet?
3.5 »Interkulturalität« – aber bitte ohne Geduldete?

4. Im Spannungsfeld suchttherapeutischer Ziele und ausländerrechtlicher Regulationen
4.1 Strukturelemente der psychosozialen Arbeit mit drogenabhängigen »Migranten«
4.2 Therapiemachen mit Ausweisung: Eine besondere Herausforderung
4.2.1 Die Ausweisung als Hürde für einen erfolgreichen Therapieverlauf
4.2.2 »Nicht-Wahrhaben-Wollen« der Ausweisung
4.2.3 »Völliges Beherrschtsein« von der Ausweisung
4.2.4 Die drohende Abschiebung als zusätzlich motivierendes Druckmittel?
4.3 Arbeiten im Spannungsfeld
4.3.1 »Ich kann nicht immer Mutter Teresa sein«: Artikulationen »objektiver Überforderung«
4.3.2 »Ich wünsche mir eine Suchthilfe, die zwischen Deutschen und Migranten gar nicht unterscheidet«: Veränderung der Rahmenbedingungen statt hilfloser Einzelfallarbeit
4.3.3 »Die Abschiebung [ist] ja nicht einfach so aus dem Boden gekommen«: Verarbeitungsstrategien
4.4 »Diese netten, lieben Deutschen«: Forschen im Spannungsfeld
4.4.1 Produktive Irritationen: Strukturreduktionismus und das Drama der Emigration
4.4.2 Zur diskursiven Positioniertheit als weiße, deutsche Psychologin und Forscherin
4.5 Zusammenfassung

5. Narrativ-biografische Selbstkonstruktionen
5.1 Erol: Eine Tasche, die zur Verdammnis wird
5.1.1 Zusammenfassung der Narration entlang der Hauptsequenzen
5.1.1.1 Eröffnungssequenz: Der abgeschobene und verstorbene Vater
5.1.1.2 Kindheit, Schule, familiäre Situation: Es gab immer ordentlich Schwierigkeiten
5.1.1.3 Erster Cannabiskonsum, Probieren von Heroin und der erste Gefängnisaufenthalt
5.1.1.4 Crack-Abhängigkeit: Eine Tasche, die zur »Verdammnis« wird
5.1.2 Selbstreflexion: Diskursivierungen der weißen Subjektposition
5.1.2.1 Eingangssequenz: Positioniertheit als weiße Deutsche
5.1.2.2 »Türkische Herkunft«: Fragen – und Antworten
5.1.3 Analyse und Interpretation der Kernnarration
5.1.3.1 Verlauf des Erzählflusses
5.1.3.2 Inhaltlicher und formaler Aufbau der Narration
5.1.3.3 »Und auf einmal war da’n deutscher Mann«: Das Hamlet-Motiv
5.1.4 Selbstkonstruktionen
5.1.4.1 Substanzabhängigkeit: Nicht Heroinjunkie, sondern »Kokser« sein
5.1.4.2 Männlichkeitskonstruktionen: Sprechen über Familie, Väter, Geld und Gewalt
5.1.4.3 Türkische Herkunft: Nicht so sein wie die anderen Klienten der Einrichtung
5.2 Algin: »Ich hab vieles zum Leiden gehabt«
5.2.1 Zusammenfassung der Narration entlang der Hauptsequenzen
5.2.1.1 Eröffnungssequenz: »Vom Gefühl her so fremd«
5.2.1.2 Kindheit, Schule, Freundschaft und die erste Liebesbeziehung
5.2.1.3 Der erste, unwissentliche Heroinkonsum aus Liebeskummer
5.2.1.4 Schwierige Frauenbeziehungen, die enttäuschte Suche nach Brüderlichkeit und die Unklarheit der eigenen Zugehörigkeit
5.2.2 Reflexion und Analyse diskursiver Positionierungen und Positioniertheiten
5.2.2.1 Anfangspassage: »Ich weiß nicht, was man daraus Folge ziehen kann«
5.2.2.2 Stockendes Erzählen und Versuche, die Erzählung in Gang zu bringen
5.2.2.3 Diskurspositionsabhängige Selbstbezeichnung als »türkisch« bzw. »kurdisch« und die Schwierigkeit, Rassismuserfahrungen zu artikulieren
5.2.3 Rekonstruktion und Interpretation der Kernnarration
5.2.3.1 Erzählfluss: Serielle Aufzählung lebensgeschichtlicher Ereignisse und Elaboration bedeutsamer Themen
5.2.3.2 Die Kernnarration und ihr inhaltlicher und formaler Aufbau
5.2.3.3 Das Arabesk-Motiv: Fremdheit, Liebesschmerz, der Glaube an die »heile Welt« und das Gefallen-Haben am Leiden
5.2.4 Selbstkonstruktionen
5.2.4.1 Substanzabhängigkeit: »Ich kannte nur Spritze, is tödlich«
5.2.4.2 Männlichkeitskonstruktionen: Frauen- und Vatergeschichten und die Suche nach Brüderlichkeit
5.2.4.3 »Kurdisch-alevitischer Ursprung«: Nicht-ethnisierende Konstruktionen
5.3 Zusammenfassung

6. Subjektivierende Disziplinierungen
6.1 Der Alltag: Disziplinar- und Selbsttechnologien
6.2 Die Sitzungen: Konfrontation mit sich selbst
6.3 Psy-Diskurse oder: Wie die Klienten zur Selbsterkenntnis geführt werden
6.4 Biografische Narrationen, Selbsterkenntnis und die Bezogenheit auf den »Anderen«
6.5 Therapie statt Strafe: »Härter als Knast«
6.6 Disziplinar- und Pastoralmacht: Technologien zur Hervorbringung »drogen-« und »straffreier« Subjekte
6.7 Ausblick: Im »Außen« des Kerkernetzes

Teil II
Logik und Genealogie der Regulation

7. Leben, das weniger zählt: Zur diskursiven Regulierung »ausländischer Drogenabhängiger«
7.1 Diskursverschiebungen und signifikante Grenzziehungen
7.1.1 Diskursverschiebungen: Von der Strafe zur Therapie
7.1.2 Zur Konstruktion des primär betäubungsmittelabhängigen BtM-Straftäters auf der Folie des »gewissenlosen gewinnsüchtigen Dealers«
7.2 »Therapie statt Strafe« (§35 BtMG): Ein- und Ausschlüsse
7.2.1 Der Diskurs der Inklusion
7.2.2 Der Diskurs des Ausschlusses
7.3 Die der Rehabilitation dienende Behandlung: Ein- und Ausschlüsse
7.3.1 Der sozialrechtliche Diskurs der Inklusion
7.3.2 Ausschlüsse von Betäubungsmittelabhängigen ohne deutschen Pass
7.4 Das Nichtgesagte des Inklusionsdiskurses

8. Logik der Regulation: Ausweisung wegen Gefährdung der »Volksgesundheit«
8.1 BtMG und AufenthG: Zur doppelten Regulation »ausländischer Drogenabhängiger«
8.1.1 Betäubungsmittel- und Aufenthaltsgesetz: Synopsis
8.1.1.1 Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (BtMG)
8.1.1.2 Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz)
8.1.2 Freiheitsstrafe zum Schutze der »Volksgesundheit« (BtMG)
8.1.3 Ausweisung wegen Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (AufenthG)
8.2 Überschneidungen: Ausweisung wegen unerlaubten BtM-Umgangs
8.3 Gegen den Strich gelesen: Ausländer als Gefährdung der deutschen Volksgesundheit

9. Abwehr der »Degenerationsgefahren«: Genealogie der Betäubungsmittelregulierung
9.1 Formierung der Regulierung des internationalen und nationalen Betäubungsmittelverkehrs
9.1.1 »Schutz der unzivilisierten Rassen«: Anfänge der internationalen Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs
9.1.2 Bekämpfung der »Suchten als solche«: Von den Kaiserlichen Verordnungen zum OpiumG 1929
9.2 Sucht und Degeneration: Zur Konstruktion »gefährlicher« Substanzen und Subjekte
9.2.1 Alkohol, Degeneration und Keimschädigung im Kaiserreich
9.2.2 »Trunksucht«: Vom Laster zur (Erb-)Krankheit und von der Behandlung zur Prävention
9.2.3 Vom »kultivierten« Morphiumsüchtigen zum »degenerierten« Rauschgiftsüchtigen
9.2.4 »Echte Süchtige« und »Rauschgiftsucht« als ein »für die Gesellschaft gefährlicher Zustand«
9.3 Zusammenfassung: Abwehr der »Degenerationsgefahren«

10. Abwehr »unerwünschter Elemente«: Genealogie ausländerrechtlicher Regulationen
10.1 Abwehr »ethisch unterwertige[r] Volksteile«: Die Ausweisung im Kaiserreich
10.1.1 Die Ausweisung – von einer Strafmaßnahme zu einem bevölkerungspolitischen Instrument
10.1.2 Abwehr von jüdischen Pogromflüchtlingen und »Polonisierungsgefahren«
10.1.3 Das preußische System der »reglementierten Arbeitskraftzufuhr«
10.2 Verfestigung des exklusiven ius sanguinis: Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913
10.2.1 Abwehr der »slavisch-semitischen Bevölkerung«: Die Debatte um die Reform des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1870
10.2.2 Das RuStAG 1913: Verfestigung des exklusiven ius sanguinis
10.3 Im Dienste einer »gesunden Bevölkerungspolitik«: Die Reglementierung von »Ausländern« in der Weimarer Republik
10.3.1 Förderung der Volkskraft: (Zwangs-)Arbeit, (Rassen-)Hygiene und koloniale Diskurse
10.3.2 Einwanderung und Einbürgerung: Die »Volksnation« und das Primat der »Deutschstämmigkeit«
10.3.3 Gesundheit und Bevölkerung: Die preußische Ausländerpolizeiverordnung von 1932
10.4 Zusammenfassung: Abwehr »unerwünschter« Bevölkerungselemente

Teil III
Konstruktionen »verworfener« Subjekte

11. Gefährlichkeitskonstruktionen: Die Thematik des Bluts
11.1 Gesetzesformierungen: Abwehr innerer und äußerer Gefahren für die Bevölkerung
11.1.1 Disziplinierung und Regulierung der Bevölkerung
11.1.2 Abwehr innerer und äußerer »Gefahren«für die Bevölkerung
11.1.3 Degeneration, Hygiene, Vererbung, Rasse: Die »Thematik des Bluts«
11.2 (Dis-)Kontinuitäten: ius sanguinis, Volksgesundheit und die »Thematik des Bluts«
11.2.1 Die »Thematik des Bluts« in den Gesetzen nach 1945
11.2.2 Zäsursetzungen und die »Thematik des Bluts«: Der Diskurs um den Diskurs der »Rasse«
11.3 »Gefährliche« Subjekte: Mediale Repräsentationen und Kollektivsymbolik
11.3.1 »Ausländer« als Verführer und »Dealer«: Die Boulevardpresse 1957 bis 1987
11.3.2 Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1978) – ein Bestseller
11.3.3 Kollektivsymbolik: Die ikonische Ebene der diskursiven Gefährlichkeitskonstruktionen

12. Bio-Macht und die liberale Regierung »ausländischer Drogenabhängiger«
12.1 Verschärfungen: »Nach der Therapie wird er aber sofort abgeschoben«
12.2 Logik und Genealogie der Regulation
12.2.1 Logik der Regulation: Präventive Gefahrenabwehr
12.2.2 Genealogie: Zur »Kolonisierung« des Rechts durch die (Bio-)Macht
12.3 Die liberale Regierung »gefährlicher« Subjekte und das Recht
12.3.1 Zäsursetzungen und die liberale Gouvernementalität
12.3.2 Taktische Einsätze: Der Diskurs des »Rechtsstaats«

13. Konstruktionen »verworfener« Subjekte
13.1 Zur »Verworfenheit« ausgewiesener Drogenabhängiger
13.1.1 »Das Schlimmste, das ich je gesehen habe«: Angst vor Abschiebung und Tod
13.1.2 Lebende Leichname: Heimsuchungen durch das Verworfene
13.2 Zur Konstruktion und Navigation von Zonen der Verworfenheit
13.2.1 Horror, Hass und Ekel: Gefürchtete Identifizierungen
13.2.2 Ikonografien der Verworfenheit: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
13.2.3 »Ungehöriges Eindringen« und die »Thematik des Bluts«
13.2.4 Fazit: Ein nicht-essenzialisierender Zugang zur Verworfenheit
13.3 Von der »Verwerfung« zum »gefährdeten Leben«

14. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur