Sigrid Chamberlain

Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

Über zwei NS-Erziehungsbücher

Cover Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

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Buchreihe: edition psychosozial

Verlag: Psychosozial-Verlag

231 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

6. Aufl. 2016

ISBN-13: 978-3-9300-9658-9, Bestell-Nr.: 658

Adolf Hitler forderte bereits in »Mein Kampf«, daß schon in der »frühesten Kindheit ... die notwendige Stählung für das spätere Leben« zu erfolgen habe. Durch gründliche Ausbildung der Mütter müsse es möglich sein, »in den ersten Jahren des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die zur vorzüglichen Grundlage für die spätere Entwicklung dient.«

Mit dieser »späteren Entwicklung« ist vor allem das nahtlose Sich-Einfügen in die Ideologie und die Institutionen des NS-Staates gemeint. Darum geht es ausdrücklich auch der Ärztin Johanna Haarer, deren Bücher »Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind« und »Unsere kleinen Kinder« in vielen Familien während des Dritten Reiches und in den Jahren danach zur Richtschnur für den Umgang mit Babys und Kleinkindern wurden.

Nationalsozialistische Erziehung, basierend auf den sehr genauen Anweisungen von Haarer, war vor allem eine Erziehung durch Bindungslosigkeit zur Beziehungsunfähigkeit. Es liegt auf der Hand, dass nur der an keinerlei Werte und Moral, an kein Gewissen und an keinen Menschen gebundene faschistische Typus auch jederzeit für jeden Zweck und jedes Ziel einsetzbar war.

Es ist an der Zeit, sich auch mit diesem Erbe des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, mit der Tatsache nämlich, dass der Großteil der im Dritten Reich und in den Nachkriegsjahren Geborenen ins Leben entlassen wurde mit frühen nationalsozialistischen Prägungen, ohne sich jemals dieser Tatsache und ihrer möglichen Folgen bewusst geworden zu sein.

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

„Alles, was wir tun, tun wir letzten Endes für das Kind”

1. Krieg gleich zu Beginn des Lebens
2. Wie die Mutter sich das Kind vom Leibe hält
3. Gedanken zur Kinderfeindlichkeit in Deutschland
4. Mangelnder Halt und Grenzenlosigkeit
5. Das verweigerte Antlitz
6. Die Zerstörung des Dialogs
7. Das Kind nicht riechen können
8. Essen als Machtmittel
9. Ställchen: Verhinderung der Neugier auf die Welt
10. Exkurs: Kameradschaft versus Freundschaft
11. Der fehlende Spielraum

„Jedes Kind ist eine Schlacht”

1. Zuschreibungen: Das Kind als Feind
2. Über die Macht der Phantasien
3. Die Unterwerfung des Kindes
4. Das soldatische Kind
5. Krankheit als Versagen
6. Auseinandersetzungen der Mutter mit ihrer Umgebung

„In der Freiheit fühlen sich die Menschen leicht verlassen”
1. Klammern statt Gebunden-Sein
2. Sucht nach Symbiose anstelle von Selbst-Vertrauen

„Zum Sterben sind die jungen Leute doch da”
1. Disziplinierung contra Autonomie
2. Die Abwertung kritischen Denkens und sogenannter Halbheit
3. Über Humor und Sich-Lustigmachen
4. Sich-Wehren oder Untergehen
5. Inneres Totsein und Todesbereitschaft
6. Von der Ausweglosigkeit einer NS-Erziehung


Folgen für die ehemaligen Kinder

Über den nationalsozialistischen Typus

Versuch einer Auseinandersetzung: Konnten überzeugte Nazis „liebevolle” Eltern sein?

Anmerkungen zu Adolf Hitler


Nachwort: Notizen zur Geschichte der Haarer-Bücher im Dritten Reich und nach Kriegsende von Gregor Dill



Rezensionen

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Unsere Kinder. Das Fachjournal für Bildung und Betreuung in der frühen Kindheit 5/2009

Rezension von Barbara Tambour

»Barbara Tambour im Gespräch mit der Sozialpädagogin Sigrid Chamberlain…« [mehr]

PAPA-Ya. Das Magazin für mehr Fairness im deutschen Familienrecht Nr. 7/2010

Rezension von Thomas Bohrmann

»Eine Pflichtlektüre für alle, die sich in der Väterpolitik des Tages behaupten wollen…« [mehr]

www.hagalil.com

Rezension von Jürgen Müller-Hohagen

»In diesem Buch verbirgt sich die Sehnsucht danach, die vorhandenen Verhärtungen, Verbitterungen, Versteinerungen, Verkrustungen, Verletzungen eines Tages aufzuweichen und das gefrorene Tränenmeer aufzutaun…« [mehr]

psychosozial 1/2000

Rezension von Jürgen Müller-Hohagen

»Haarers Hauptwerk einer braunen Pädagogik der frühen Lebensjahre hat nun von seiten der Sozialpädagogin und Diplom-Supervisorin Sigrid Chamberlain eine eingehende Untersuchung erhalten, die dringend zur genaueren Rezeption empfohlen wird…« [mehr]

Publik-Forum

Rezension von Barbara Tambour

»Aus der Kinderstube des Herrenmenschen. Säuglingspflege im Nationalsozialismus. Ein Gespräch mit Sigrid Chamberlain…« [mehr]

Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 3/2006

Rezension von Katharina Schäfer

»Für Eltern, aber auch Söhne und Töchter mit Geschichtsbewusstsein ist die Arbeit von Sigrid Chamberlain ein unverzichtbarer Gewinn. Sie lernen sich und ihre Herkunft besser verstehen und werden ermutigt, sich ihren eigenen Kindern gegenüber deutlich von dem psychischen Erbe des Nationalsozialismus zu distanzieren. Man wünscht ihre Studie allen, die mit Kindern und Jugendlichen leben oder arbeiten, in die Hand…« [mehr]