Victoria Preis, Aaron Lahl, Patrick Henze-Lindhorst (Hg.)

Vom Lärmen des Begehrens

Psychoanalyse und lesbische Sexualität

Cover Vom Lärmen des Begehrens

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

323 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

1. Aufl. 2021

Erschienen im April 2021

ISBN-13: 978-3-8379-3038-2, Bestell-Nr.: 3038

DOI: https://doi.org/10.30820/9783837977547
Die Psychoanalyse legte – nicht anders als die Gesellschaft – ein destruktives Potenzial in die Lesbe, fasste sie als aggressiv, rachsüchtig, phallisch auf, pathologisierte sie und schloss sie von ihren Institutionen aus. Doch zugleich vernachlässigte, verschleierte, verniedlichte sie Lesben auch – oder schrak sie gar vorm Lärm des lesbischen Begehrens zurück?

Die Beiträgerinnen und Beiträger widmen sich spannungsgeladenen und zum Teil verfehlten Begegnungen der Psychoanalyse mit der lesbischen Sexualität: bei Freud, in der homophoben Tradition, in wegweisenden Beiträgen ab den 1990er Jahren und in der Gegenwart. Sie beleuchten das Spannungsfeld zwischen Psychoanalyse und lesbischer Sexualität aus (klinisch) psychoanalytischer, lesbenaktivistischer, queertheoretischer, sexualwissenschaftlicher, historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Mit Beiträgen von Ulrike Auge, Jirko Börner, Hanna Brögeler, Carolin Cyranski, Sonja Düring, Lilli Gast, Insa Härtel, Patrick Henze-Lindhorst, Julia Holzmann, Marco Kammholz, Manuela Kay, Anna Koellreuter, Annalina Kretz, Aaron Lahl, Eva Marie Lehner, Victoria Preis, Ilka Quindeau, Almut Rudolf-Petersen, Caroline A. Sosat, Julia Tomanek, Manuela Torelli, Samuel Noah Werner und Benedikt Wolf

Inhaltsverzeichnis

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Einleitung
Victoria Preis, Aaron Lahl & Patrick Henze-Lindhorst

Historie

Psychoanalyse und weibliche Homosexualität
Ein historischer Abriss
Aaron Lahl, Patrick Henze-Lindhorst & Victoria Preis

Herrische Liebe
Freuds homosexuelle Patientin Margarethe Trautenegg (geborene Csonka)
Aaron Lahl

Die letzte Szene zur ersten machen
Ein Vorschlag für das Durcharbeiten der lesbenfeindlichen Symptomatik der Psychoanalyse
Benedikt Wolf

Gespräch

»Zum gepflegten Lesbentum gehören auch gepflegte Hände«
Ein Gespräch mit Manuela Kay
Patrick Henze-Lindhorst

Psychoanalytische Theorien zur lesbischen Sexualität

Psychodynamik lesbischer Sexualität – reloaded
Manuela Torelli

Penisneid und gewähltes Trauma
Ein Kommentar zu Manuela Torelli
Aaron Lahl

Hetero-, Homo-, Bi-, Poly-, Pan-, *.*-Sexualität
Wie sinnvoll ist die Kategorisierung des Sexuellen?
Ilka Quindeau

Das sexuelle Rätsel zwischen Hetera und Lesbe
Anna Koellreuter

»Nicht einmal ›butch‹ wird hier richtig ausgesprochen!«
Überlegungen zu lesbischer Sexualität im psychoanalytischen Diskurs
Almut Rudolf-Petersen

»My Heart Belongs to Daddy Mummy«
Einige Gedanken zu Eva Poluda-Korte und Judith Butler
Lilli Gast

Die Sehnsucht der Frau nach der Frau
Ein positiver Blick auf die psychosexuelle Entwicklung von lesbischen Frauen. Ein Kommentar
Julia Tomanek

Lesbische Liebe
Begehren als phallische Gefahr?
Hanna Brögeler & Carolin Cyranski

Debatte: Psychogenese der Homosexualität?

Das Unbehagen mit der Frage nach dem »Warum?«
Ulrike Auge

Zur Frage nach der Psychogenese der Homosexualität
Victoria Preis

Kommentare zur Tagung

Kommentar zum Symposium
»Psychoanalyse und lesbische Sexualität«
Manuela Torelli

Eine Sexualität mit explosivem Potenzial
Caroline A. Sosat

Von enttäuschten Erwartungen und unterbrochenen Dialogen
Plädoyer für eine Annäherung
Jirko Börner

Lesbisches Traumglück – Lesbisches Miststück
Verwirrung über eine Tagung, einen Traum und Judith Le Soldats
psychoanalytische Theorie der Homosexualität
Marco Kammholz

Debatte: Lesben und Trans*

Von der Variabilität des Begehrens zur Variabilität des Geschlechts
Einige Überlegungen zur Zunahme von FzM-Transsexualität
Sonja Düring

Über die Angst vor der Ansteckung und die Pathologisierung
geschlechtlicher Non-Konformität
Samuel Noah Werner

Lesbianismus als idealisierte Weiblichkeit
Radikal- und transfeministische Bezüge auf lesbische Sexualität
Annalina Kretz

Kultur & Geschichte

Grenzverletzung, -überwindung, -verwischung
Lucía Puenzos Das Fischkind (2009)
Insa Härtel

»Sodomiterey und andre dergleichen unnatürliche Sünden«
Eine historische Perspektive auf Geschlecht und Sexualität
Julia Holzmann & Eva Marie Lehner

Nachruf

Jenseits des Trends
Sophinette Beckers Perspektiven auf Sexualität und Geschlecht
Patrick Henze-Lindhorst

Rezensionen

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Sexuologie – Zeitschrift für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft, Band 28/2021

»›Kurz nach der Tagung hat uns allen der Kopf geraucht und wir haben uns gefragt, ob wir uns mit der Tagung etwas übernommen haben. Aber wir haben ja nun in unserem Buch versucht, die damaligen Spannungen abzubilden, was uns, glaube ich, gelungen ist. Von daher bin ich aus heutiger Sicht ganz froh, dass wir die Tagung gemacht haben und freue mich auch über das Buch. Insgesamt bringt es […] das Thema lesbische Sexualität und Psychoanalyse mehr ins Bewusstsein und wir haben damit eine notwendige Diskussion in der Psychoanalyse angestoßen.‹ Victoria Preis zusammen mit Aaron Lahl und Patrick Henze-Lindhorst im Gespräch mit Maximilian Römer…«

Psychologie Heute, Heft 12, Dezember 2021

»Bis in die 1990er Jahre begriffen viele Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker lesbisches Begehren als Störung, die verschwinde, sobald die ihr zugrunde liegenden Konflikte aufgelöst seien. Der Sammelband will eine produktive Begegnung der Psychoanalyse mit der weiblichen Homosexualität initiieren und befasst sich etwa mit ihrer Psychogenese, dem Lesbianismus als überholter Wirklichkeit und der Frage, ob butch und femme veraltete Kategorien sind…«

Siegessäule August 2021

Rezension von Melanie Götz

»Der Band meistert den Spagat, den erkenntnisorientierten Anspruch der Psychoanalyse zu wahren und mit einer die feministische und homosexuelle Emanzipation würdigenden Haltung zu versöhnen. Vor allem wird die Psychoanalyse in die Pflicht genommen, Aufklärung zu ihren eigenen dunklen Flecken zu betreiben. Dass sich fast alle Beiträge bewusst mit der psychoanalytischen Geschichte der Ausgrenzung, Abwertung und Abwehr insbesondere der weiblichen Homosexualität befassen, macht den empfehlenswerten Band für alle Interessierten attraktiv…«

Lesbianchic.de, 25. Juni 2021

»Dieses Buch ist eine Antwort auf den bewiesenermaßen riesigen Redebedarf zwischen Lesben und Psychoanalyse. Es ist eine klug ausgewählte Sammlung von Essays mehrerer Autor*innen, die teilweise inhaltlich verschiedene Standpunkte vertreten. So kann die geneigte Leser*in sich differenzierten Input holen…«

L-Mag. Das Magazin für Lesben. Juli/August 2021

Rezension von Melanie Götz

»Der Band besticht durch seine aufrichtig interessierte wie kritisch-durchdachte Haltung und durch das Bemühen, den erkenntnisorientierten Anspruch der Psychoanalyse zu wahren, aber ihn unter Würdigung der homosexuellen Emanzipation weiterzuentwickeln. Lesbische Sexualität als eine eigenständige unter den sexuellen Orientierungen erfährt so eine zugewandt-interessierte wie kritisch-aufklärende Betrachtung: nicht als ›defizitär‹, sondern als gleichwertig, aber eben nicht minder konflikthaft als die menschliche Sexualität insgesamt…«

mannschaft.com am 19. Mai 2021

Rezension von Kevin Clarke

»Lesbische Sexualität war bisher in der Psychoanalyse ein Randthema und galt als ›still‹. Daran wollen die Psycholog*innen und Geschlechterforscher Victoria Preis, Aaron Lahl und Patrick Henze-Lindhorst etwas ändern.…« [mehr]