Gerald Mackenthun

Gemeinschaftsgefühl

Wertpsychologie und Lebensphilosophie seit Alfred Adler

Cover Gemeinschaftsgefühl

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

525 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Juni 2012

ISBN-13: 978-3-8379-2148-9, Bestell-Nr.: 2148

Die von Alfred Adler 1911 begründete Individualpsychologie basiert auf dem Begriff des Gemeinschaftsgefühls. Die Förderung des Gemeinschaftsgefühls schien ihm die beste Prophylaxe für jede Art der Neurose. Seit Adler wurden die Grenzen von Gemeinschaft und Individualismus in zahlreichen Theorien unterschiedlicher Ausrichtung neu ausgelotet.

Im vorliegenden Buch stellt der Autor Adlers Ansatz in seiner historischen Entfaltung vor und zeichnet die engagierte Kontroverse über dieses Konzept innerhalb und außerhalb der Individualpsychologie detailliert nach. Im Mittelpunkt steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft, das vom Solipsismus bis zum Kollektivismus reicht und seit Langem Gegenstand heftiger Debatten in Psychologie, Sozialpsychologie, Soziologie und Wertphilosophie ist. Anhand von Adlers »Lebensaufgaben« wird abschließend demonstriert, wie das Konzept des Gemeinschaftsgefühls in der Psychotherapie angewendet werden kann.

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Vorwort

1 Einführung

2 Stellung und Bedeutung des Gemeinschaftsgefühls in Adlers Individualpsychologie
2.1 Soziale Bausteine des Adlerschen Menschenbildes
2.2 Die Entwicklung des Gedankens vom Gemeinschaftsgefühl bei Adler
2.2.1 Vorbereitende Ideen: Die sozialmedizinische Phase 1898 bis etwa 1903
2.2.2 Paradigmenwechsel: Kindererziehung als Neurosenprophylaxe
2.2.3 Biologisches Zwischenspiel: Studie über Minderwertigkeit von Organen (1907)
2.2.4 Die kurze Periode des »Aggressionstriebes«
2.2.5 Minderwertigkeitsgefühl: Hinwendung zur Psychologie ab 1910
2.2.6 Die erstmalige Verwendung des Begriffs Gemeinschaftsgefühl 1913
2.2.7 Adlers »Gemeinschaftsgefühl« vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs
2.2.8 Die Diskussion um sogenannte Kriegszitterer
2.3 Inhaltliche Wendungen im Begriff Gemeinschaftsgefühl nach dem Ersten Weltkrieg
2.3.1 Menschenkenntnis (1927)
2.3.2 Wandlungen des Gemeinschaftsgefühls unter amerikanischem Einfluss
2.4 Letzte Schaffensperiode 1933 bis 1937
2.4.1 Der Sinn des Lebens 1933
2.5 Zusammenfassung

3 Auseinandersetzung und Weiterentwicklung: Das Thema »Gemeinschaftsgefühl« in früher und moderner Individualpsychologie
3.1 Carl Furtmüller: »Psychoanalyse und Ethik« (1912)
3.2 Vera Strassers Psychologie der Beziehungen (1921)
3.3 Handbuch der Individualpsychologie (Hg. Wexberg 1926)
3.3.1 Erwin Wexberg: »Die psychologische Struktur der Neurose«
3.3.2 Ada Beil: »Zur Psychologie von Welt- und Lebensanschauung«
3.3.3 Friedrich Schulze-Maizier: »Individualpsychologie und Religion«
3.3.4 Folkert Wilken: Gemeinschaft und Individualität
3.3.5 Otto Kaus: »Individualpsychologie und Politik«
3.4 Hans Kunz: »Kritik der Individualpsychologie Adlers« (1928)
3.5 Erwin Wexberg: Individualpsychologie (1928/1931)
3.5.1 Der Fall »Helene«
3.5.2 Individualpsychologie als antiindividualistische Kulturtendenz
3.6 Frieda Vogel: Individualpsychologie und Werttheorie (1931)
3.7 Fritz Künkels Nähe zur »Volksgemeinschaft«
3.8 Alice Rühle-Gerstel: Marxismus und Individualpsychologie
3.9 Lewis Way 1950
3.10 Guggenbuehl: Der sozialpsychologische Beitrag der Tiefenpsychologie (1964)
3.11 Rudolf Dreikurs und Arthur Nikelly 1971/1978
3.12 Ansbachers Vier-Phasen-Theorie (1981)
3.12.1 Ansbacher: Englische Synonyme für Gemeinschaftsgefühl
3.12.2 Deutschsprachige Synonyme für Gemeinschaftsgefühl
3.13 Josef Seidenfuß: Selbstverwirklichung – Anpassung – gesellschaftliche Reformen (1981)
3.14 Robert F. Antoch: Kooperation und Kommunikation als Kernstruktur des Gemeinschaftsgefühls
3.15 Hannes Böhringer: Lebensphilosophie bei Adler (1985)
3.16 Ronald Wiegand: Gemeinschaft gegen Gesellschaft (1986)
3.17 Karl-Heinz Witte über Adlers verborgene Schätze (1988)
3.18 Almuth Bruder-Bezzel (1991)
3.19 Henry Stein: Individualpsychologie und Demokratie
3.19.1 »Is Individual Psychology Still Relevant?«
3.20 Loren Grey: The Forgotten Prophet (1998)
3.21 Josef Rattners humanistische Tiefenpsychologie
3.21.1 Kleines und großes Gemeinschaftsgefühl
3.21.2 Die Trias eines globalen Sozialinteresses
3.21.3 Gemeinschaftsgefühl, Idealismus und »objektiver Geist«
3.21.4 Die Berliner Großgruppe als Ort einer philosophischen Psychotherapie
3.21.5 Person und Personalität als wichtigste Gesundheitsideale
3.22 Zum Stand der Gemeinschaftsgefühl-Diskussion in der deutschsprachigen Individualpsychologie
3.23 Zusammenfassung und Diskussion
3.23.1 Tendenzen innerhalb der Individualpsychologie
3.23.2 Individualpsychologie zwischen Ich-Psychologie und Sozialpsychologie

4 Über das Spannungsverhältnis von Individuum und Gemeinschaft
4.1 Solipsistischer Individualismus
4.1.1 Max Stirner
4.1.2 Oscar Wilde
4.2 Hermann Hesse: »Lob des Eigensinns«
4.3 Karl Löwith: Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen (1928)
4.4 Martin Bubers »echte Gemeinschaft«
4.5 Einsamkeit, Trennung und Absonderung
4.6 Erik Eriksons Kindheit und Gesellschaft (1950)
4.6.1 Der Aufbau von Ich-Identität im Jugendalter und das Problem der Anpassung
4.7 Person, Personalismus und Personalität
4.7.1 Emmanuel Mounier
4.7.2 Max Schelers Personalismus
4.7.3 Nicolai Hartmanns »Personalität«
4.7.4 Person und Personalität bei Josef Rattner
4.8 Weitere Gedanken zum Personsein
4.9 Bindung und Freiheit: Widersprüchlichkeit als eine Wesenheit des Menschen
4.10 Souveräner Umgang mit Gemeinschaft und Gesellschaft: Schmids Citoyenität
4.11 Zusammenfassung und Diskussion

5 Soziologie und Politologie des Gemeinschaftsgefühls
5.1 Jared Diamond über frühe Gesellschaften
5.2 Gemeinschaftssinn in der Wandervogel und Jugendbewegung
5.3 Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft (1887/1912)
5.4 Helmuth Plessner: Grenzen der Gemeinschaft (1924)
5.5 Henri Bergson: Quellen der Moral (1933)
5.6 Erich Fromm: Furcht vor der Freiheit (1941)
5.6.1 Produktive und nicht-produktive Charakterorientierungen
5.6.2 Anthropologische Grundannahmen
5.6.3 Individuum und Gesellschaft
5.7 Julian Huxleys »Evolutionärer Humanismus«
5.8 Bertrand Russell: Macht und Moral
5.8.1 Soziologie der Macht: Diagnose
5.8.2 Therapie der Machtliebe
5.8.3 Individuelle Entfaltung und soziale Bindung
5.8.4 Kriterien nützlicher Gesellschaftsordnungen
5.9 Ronald Wiegand: Solidarität und Freiheit
5.10 Charles Taylor: Gemeinschaft und Demokratie
5.11 Überschaubare Gemeinschaft: der Kommunitarismus
5.12 Zusammenfassung und Diskussion

6 Gemeinschaftsgefühl in der Therapie
6.1 Theoretische Grundlagen individualpsychologischer Therapie
6.2 Adler in seiner Therapie
6.3 Neuere Individualpsychologie
6.4 Die dritte Dimension der Tiefenpsychologie
6.4.1 Josef Rattners Bildungsanliegen
6.4.2 Irvin Yaloms Existenzielle Psychotherapie
6.5 Gemeinschaftsgefühl konkret: Sechs Lebensaufgaben
6.5.1 Arbeit
6.5.2 Liebe
6.5.3 Gemeinschaft
6.5.4 Kultur
6.5.5 Individuation
6.5.6 Körper
6.5.7 Diskussion
6.6 Imperative des Gemeinschaftsgefühls
6.6.1 Der Ausgangspunkt: Kants Kategorischer Imperativ
6.6.2 Der Imperativ der Gleichwertigkeit
6.6.3 Der hermeneutische Imperativ
6.6.4 Der dialogische Imperativ
6.6.5 Der axiologische Imperativ
6.6.6 Der ästhetische Imperativ
6.6.7 Der aktivische bzw. soziale Imperativ
6.6.8 Der personale Imperativ
6.6.9 Der existenzielle Imperativ
6.6.10 Der humanistisch-politische Imperativ
6.6.11 Resümee
6.7 Anwendung in der Psychotherapie
6.8 Zusammenfassung und Diskussion

7 Zusammenfassung und Diskussion
7.1 Utopie und Politik
7.2 Individuum und Gemeinschaft: Versuch einer Synthese

Literatur
Anhang
Personen- und Sachregister

Rezensionen

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Zeitschrift für Individualpsychologie 38. Jahrgang, 2/2013

Rezension von Robert F. Antoch

»So kann Gerald Makenthuns Buch – kritisch und verständig gelesen – als ein wertvoller Beitrag dazu angesehen werden, es sich einerseits mit der Widersprüchlichkeit und Vielfalt der Bedeutungen des ›Gemeinschaftsgefühls‹ nicht zu leicht zu machen, es andererseits aber auch nicht einem zu streng eingeschränkten Gebrauch vorzubehalten…« [mehr]

Zeitschrift für Individualpsychologie 38. Jahrgang, 3/2013

Rezension von Almuth Bruder-Bezzel

»In einem sehr umfangreichen Buch bearbeitet Mackenthun das genuin individualpsychologische Thema ›Gemeinschaftsgefühl‹ und versteht seine ›Methode‹ als ›historisch-kritisches Quellenstudium‹ und ›hermeneutische Textanalyse‹…« [mehr]

SGIPAaktuell Dezember 2012

Rezension von Hannelore Hafner

»Ich kann dieses Buch sehr empfehlen und würde mir wünschen, dass es unter Kolleginnen und Kollegen aus den hiesigen IP. Kreisen diskutiert wird…« [mehr]