Andreas Peglau

Unpolitische Wissenschaft?

Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus

Cover Unpolitische Wissenschaft?

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

635 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

2., korr. Aufl. 2015

Erschienen im Februar 2015

ISBN-13: 978-3-8379-2447-3, Bestell-Nr.: 2447

Von der Krankenbehandlung ausgehend, entwickelte sich Freuds Lehre zu einer Möglichkeit, sich selbst und die Welt zu erkennen – und zu verändern. Dieser gesellschaftskritische Anspruch wurde während des Nationalsozialismus weitestgehend in den Hintergrund gedrängt. Die nachhaltigsten Weichenstellungen zu einer »unpolitischen« Psychoanalyse erfolgten in den 1930er Jahren und waren eng verbunden mit dem Versuch, Konfrontationen mit dem NS-Regime zu vermeiden. Dass die Alternative einer aufklärerischen Psychoanalyse weiter bestand, zeigt das Wirken Wilhelm Reichs, der 1933/34 aus den analytischen Organisationen ausgeschlossen wurde.

Anhand von zum großen Teil erstmalig veröffentlichtem Archivmaterial geht der Autor Reichs Schicksal nach und folgt den Entwicklungen im analytischen Hauptstrom während der NS-Zeit. Dabei beantwortet er auch die Frage, ob die Psychoanalyse jemals eine unpolitische Wissenschaft war.

»Es handelt sich bei Peglaus Studie um wesentlich mehr als eine weitere politische Biografie Wilhelm Reichs, auch wenn sie die Struktur einer solchen aufweist. Durch das Prisma Reich erhellt Peglau die Geschichte der psychoanalytischen und der sozialistischen Bewegung, indem er deren Auseinandersetzungen mit und über Reich rekonstruiert.«
Jerome Seeburger, Einsicht 12

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Wilhelm Reich, die Psychoanalyse und die Politik
Vorwort von Helmut Dahmer

Einleitung

1 Vorspiele
1.1 Frühe Prägungen
1.2 Reich in Wien
1.3 Sexualerregung
1.4 Reich in Deutschland 1930 bis 1933
1.5 Ein letztes Mal Wien

2 Psychoanalytische Schriften und Wilhelm Reich in der Zeit des Nationalsozialismus
2.1 Bücherverbrennung
2.2 Publikationsverbote I: Die 1933er Kampfbundlisten
2.3 Publikationsverbote II: Die »Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums«
2.4 Publikationsverbote III: Weitere Zensurinstanzen
2.5 Hauptbetroffene der NS-Bücherverfolgung
2.6 Reichs verbotene Schriften
2.7 Gab es psychoanalytische Schriften, die sich offen gegen den Faschismus wandten? Eine Suche
2.8 Die Massenpsychologie des Faschismus
2.9 Trennung von der Psychoanalyseorganisation
2.10 Reich und die »Linke« zwischen 1933 und 1939
2.11 Das Ende der Sex-Pol-Bewegung
2.12 Ausweisung, Observierung
2.13 Ausbürgerung
2.14 Reich als »Hochverräter« und »jüdischer Pornograph«
2.15 Tolerierte und beworbene Psychoanalyse in NS-Publikationen

3 Wilhelm Reich nach 1945
3.1 Zwischen Neuanfang und zweiter Bücherverbrennung – Reich in den USA
3.2 Realitätsblinder Sankt Wilhelm? Zum aktuellen Umgang mit Wilhelm Reich im Kontext der Psychoanalyse

4 Einordnungen und Erklärungen
4.1 NS-Funktionäre und Psychoanalyse
4.2 Freud über den Faschismus
4.3 Antifaschistisches Engagement
4.4 Das 1933er Memorandum
4.5 Hauptakteure, Protegés
4.6 »Neue deutsche Seelenheilkunde«
4.7 »Arisierung«
4.8 Zuarbeiten zur »Eugenik«
4.9 Tiefenpsychologische Kriegsführung
4.10 Geheimhaltung und Medienlenkung
4.11 Wissenschaftspolitik
4.12 Kulturrichtlinien
4.13 Sexualität im Dritten Reich
4.14 Die (nachlassende) Reflexion der Psychoanalyse
4.15 Das lange Schweigen der Analytiker
4.16 Unpolitische Psychoanalyse?

5 Psychoanalyse: eine politische Wissenschaft. Bilanz

Anhang

Dokumente und Abbildungen
Die wichtigsten Abkürzungen
Quellen und Literatur
Personenregister
Vorschläge für Weiterführungen
Pressestimmen zur Erstauflage

Rezensionen

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LUZIFER-AMOR. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse 27. Jahrgang – Heft 54 – 2014

Rezension von Hans-Martin Lohmann

»Andreas Peglau dürfte für lange Zeit die gründlichste und umfassendste wissenschaftliche Aufarbeitung eines schwierigen Kapitels aus der Geschichte der Psychoanalyse gelungen sein. Seine Verdienste um die Aufklärung einer immer noch von Legenden, Mythenbildungen oder schlichtem Unwissen umhüllten Katastrophe sind immens und kaum zu u überschätzen. Viele Leser sollten es ihm danken…« [mehr]

Psyche, 68. Jahrgang, Heft 2, Februar 2014

Rezension von Bernd Nitzschke

»Die Verschränkung zwischen dem Schicksal der Psychoanalyse im NS-Staat und der Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Emigrantengeschichte Wilhelm Reichs, die Peglau minutiös rekonstruiert, ist Dreh- und Angelpunkt des Buches, das einen unverzichtbaren Referenzpunkt für jeden darstellt, der sich künftig ohne Scheuklappen mit der NS-Geschichte der Psychoanalytiker beschäftigen will…« [mehr]

DAS ARGUMENT 310/2014

Rezension von Fritz Reheis

»Der Blick in die Alltagsgeschichte von Anpassung und Widerstand am Beispiel der Psychoanalyse im Dritten Reich könnte unsere Aufmerksamkeit vor allem dafür schärfen, wie unspektakulär und unmerklich die Barbarei Einzug in den Alltag halten kann. Dazu hat Verf. wertvolles Material bereitgestellt…« [mehr]

Junge Welt Nr. 24 am 29. Januar 2015

Rezension von Helge Buttkereit

»Die Buchfassung von Andreas Peglaus lesenswerter Doktorarbeit über ›Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus‹ heißt: ›Unpolitische Wissenschaft?‹ Bitter ironisch hatte Wilhelm Reich 1934 in seiner Exilzeitschrift unter gleichem Titel, aber ohne Fragezeichen einen zeitgenössischen Artikel des heute zu Recht vergessenen Carl Müller Braunschweig abgedruckt…« [mehr]

Einsicht 12 – Bulletin des Fritz Bauer Instituts Herbst 2014

Rezension von Jerome Seeburger

»Es handelt sich bei Peglaus Studie um wesentlich mehr als eine weitere politische Biografie Wilhelm Reichs, auch wenn sie die Struktur einer solchen aufweist. Durch das Prisma Reich erhellt Peglau die Geschichte der psychoanalytischen und der sozialistischen Bewegung, indem er deren Auseinandersetzungen mit und über Reich rekonstruiert…« [mehr]

Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung 18 (2/2014)

Rezension von Dr. Roland Kaufhold

»Andreas Peglau hat hierin eine Vielzahl von neuen Materialien eingearbeitet, die er in jahrelanger Recherche entdeckt hat. Eine wirkliche Pionierleistung. Nach der Lektüre vermag man wirklich qualifizierter über den wenig freundlichen ›Umgang‹ mit Wilhelm Reich zu sprechen…« [mehr]

Zeitschrift für Individualpsychologie 2/2014

Rezension von Almuth Bruder-Bezzel

»Beides, die allgemeine Geschichte der Psychoanalyse in dieser Zeit und der Fall Reich, wird hier materialreich dargestellt, vertieft, über das verfügbare Wissen hinaus auf den neuesten Stand erweitert. Peglau gibt zusätzlich Einblick in den Autor und politischen Aktivisten Reich, womit wir sowohl den Autor Reich kennen lernen als auch die Auseinandersetzungen mit ihm durch die Psychoanalyse besser verstehen können…« [mehr]

Fromm Forum 18 / 2014

Rezension von Rainer Funk

»Das Verdienst der spannend zu lesenden Recherche Peglaus liegt darin, im Umgang mit Wilhelm Reich und der Anpassung der Psychoanalyse an die herrschenden Verhältnisse eine für die Psychoanalyse schicksalhafte historische Weichenstellung dokumentenreich aufgezeigt zu haben…« [mehr]

literaturkritik.de 2014, Heft 3

Rezension von Galina Hristeva

»Die Mammutaufgabe, die gleichzeitige Diskreditierung und Dämonisierung Reichs durch die Psychoanalyse, die KPD, durch antisemitische Kräfte ›von rechts‹ vor 1933 sowie durch die NS-Machthaber nach 1933 nachzuzeichnen, hat Andreas Peglau meisterhaft in einer bewegten und bewegenden, aber dennoch wissenschaftlich bestens fundierten und systematisch aufgebauten Darstellung bewältigt…« [mehr]